Sonntag, Mai 21, 2006

Vorschlag von 'politicsweekly'

"Wie wäre es mit einer, vielleicht alten aber dennoch für mich derzeit interessanten Frage, ob eine Überzeugung sobald sie jeglichem Einfluss eines Gefühls unterliegt, sofort als moralische Einstellung anzusehen ist ?
Wäre somit die Überzeugung nur eine Vorstufe im moralischen Lernprozess?"

Darueber koennen wir gerne diskutieren, nur musst du genauer erklaeren, was du damit meinst! Ein Beispiel waere vielleicht ganz hilfreich. Ich bin ein bisschen verwirrt - normal kennt man ja nur das Gegenteil, naemlich Kants Behauptung, dass es, sobald Gefuehle ins Spiel kommen, mit der Moral sofort ein Ende hat. Und wie ist es mit meiner Ueberzeugung: Im Kuehlschrank befindet sich ein Bier, wenn sie unter den Einfluss meines Gefuehls, dass ich saubock auf ein Bier habe, kommt? Wenn das unter dein Prinzip fallen soll, dann waere die erstere Ueberzeugung auch moralisch, was sie doch eher nicht ist.

Freges Kriterium

Bekannterweise kann es sein, dass Otto (waehrend er am Morgenhimmel die Venus betrachtet) zwar glaubt: Das ist der Morgenstern, aber nicht: Das ist der Abenstern. Zwar haben beide Begriffe den gleichen Bezug, naemlich die Venus, aber da Otto nicht weiss, dass Abendstern = Morgenstern, kann man nicht einfach den einen Begriff durch den anderen ersetzen. Glaubenskontexte sind intensionale Kontexte.
Ausserdem kann man die Regel ("Freges Kriterium") aufstellen:

Wenn es moeglich ist, dass eine Person, die ueber die Begriffe F und G verfuegt, glaubt, dass etwas F ist, aber dass es nicht G ist, sind F und G zwei verschiedene Begriffe.

Nach dieser Regel sind Abenstern und Morgenstern verschiedene Begriffe, weil Otto glaubt, dass das da der Morgenstern ist, aber nicht der Abendstern (obwohl er ueber beide Begriffe verfuegt).

In einem Artikel von Jeff Speaks ueber nichtbegrifflichen Gehalt (hier: www.arts.mcgill.ca/philo/speaks/papers/nonconceptual-penultimate.pdf) wird in einem Nebensatz behauptet, dass es sein kann, dass F und G Freges Kriterium erfuellen, aber trotzdem nicht zwei verschiedene Begriffe sind. Das ist laut Speaks immer dann der Fall, wenn es in einer Sprache zwei Synonyme gibt.
Speaks Beispiel sind die englischen Ausdruecke "ketchup" und "catsup" (die beide Ketchup heissen): Jemand kann verstehen, was die Bedeutung beider Ausdruecke ist, ohne zu wissen, dass sie Synonyme sind. Dann kann er glauben, dass das da catsup ist, aber nicht ketchup. Trotzdem sind ketchup und catsup synonym, d.h., es handelt sich um denselben Begriff, der nur eben durch unterschiedliche Woerter zum Ausdruck gebracht wird.

Konklusion: Freges Kriterium gilt nicht fuer alles, was man denken oder glauben kann - manchmal verfuegt jemand ueber die Begriffe F und G, glaubt, dass etwas F ist und nicht G, aber trotzdem sind F und G keine verschiedenen Begriffe.

Das Argument laeuft (finde ich) auf die Frage hinaus, wie Begriffe und Ausdruecke oder Denken und Sprache zusammenhaengen - Speaks' Position beruht auf der Annahme, dass Sprache manchmal feinkoerniger unterscheiden kann als Denken - naemlich wenn zwei Ausdruecke denselben Begriff zum Ausdruck bringen. (Aehnliches koennte man auch fuer verschiedene Sprachen sagen - z.B., dass die Woerter 'Mutter' und 'mother' denselben Begriff zum Ausdruck bringen.) Einerseits finde ich das relativ einleuchtend; andererseits neige ich dazu, doch zu behaupten, dass es zwei verschiedene Begriffe ketchup und catsup gibt, gerade jemand glauben kann, dass ketchup nicht gleich catsup ist.

Mittwoch, Mai 17, 2006

Vorschläge?

Ich bin gerade leider sehr unkreativ, was spannende neue Diskussionsthemen angeht. Ich arbeite aber dran!
Wenn von euch jemandem was einfällt, was dringend diskutiert werden sollte, sagt mir einfach Bescheid!
Eva

Freitag, Mai 12, 2006

Veränderungen in der Arbeitswelt der Philosophen?

Ich habe einen interessanten Post entdeckt, der sich damit beschäftigt, wie und ob sich das Verhalten von professionellen Philosophen in den USA über die letzten Jahrzehnte verändert hat, insbesondere ihre Bindung und ihr Engagement an den Unis und in den Städten, in denen sie lehren.
Ich habe kaum eine Vorstellung davon, wie das eigentlich in Deutschland ist und war. Gibt es bei uns ähnliche Entwicklungen?

Hier der Post

Wahrnehmung und Gedanken

Was unterscheidet eigentlich Gedanken/Überzeugungen von Wahrnehmung und anderen Empfindungen? Der Nonkonzeptualist sagt, dass beide eine andere Art von Gehalt haben (der von Gedanken ist begrifflich, der von Empfindungen ist nicht-begrifflich). Der Konzeptualist äußert sich (soweit ich weiß) gar nicht dazu. Was könnte eigentlich McDowell dazu sagen, warum beide unterschiedlich sind?
Und was würde man intuitiv als Antwort geben, warum sich beide unterscheiden? Irgendwie hängt das ja mit der phänomenalen Dimension von Empfindungen zusammen. Andererseits gibt es ja auch genug Philosophen, die behaupten, dass Gedanken eine phänomenale Dimension hätten.

Sonntag, Mai 07, 2006

Agnostizismus vs. Atheismus

Mein Freund und ich diskutieren oefter mal das Thema, was eigentlich die rationalere Position ist: Atheismus oder Agnostizismus.

Das Argument fuer den Atheismus:
Es gibt alle moeglichen Argumente dafuer, dass es keinen Gott gibt, z.B. die Theodizee. Ausserdem sind wir Atheisten bezueglich aller moeglichen Goetter (Wodan, Vishnu, Aphrodite, ...) - und haben keine besseren Gruende, nicht an diese Goetter zu glauben, als wir haben, nicht an den christlichen Gott zu glauben. Dinge, die man frueher nur mit Hilfe von Gott erklaeren konnte, lassen sich heute ohne erklaeren, z.B. per Evolutionstheorie. Man koennte fuer die Existenz eines Gottes argumentieren, dass ein Schoepfergott erklaeren wuerde, warum das Universum ueberhaupt entstanden ist. (Man haette sozusagen eine Ursache fuer den Big Bang.) Aber eigentlich verschiebt man mit dieser 'Erklaerung' die Frage der Ursache nur eine Stufe nach hinten (Was ist die Ursache dafuer, dass es einen Gott gibt?), und muss zusaetzliche ziemlich bedeutsame metaphysische Annahmen machen. Also ist es am rationalsten anzunehmen, dass es ueberhaupt keinen Gott gibt.

Argument fuer den Agnostizismus:
Es gibt tatsaechlich keine tragfaehigen Beweise dafuer, dass es Gott gibt. Wenn man sich die Welt anschaut, laesst sich zumindest von allmaechtig, allwissend und vollkommen gut nicht viel erkennen. Die Evolutionstheorie entledigt uns von der Annahme, dass es einen Gott geben muss, um uns zu erklaeren. Aber immerhin hat die Annahme eines Schoepfergottes den Vorteil, dass wir eine Erklaerung haben, warum ueberhaupt alles angefangen hat. Zwar verschiebt das die Frage nach dem warum nur eine Stufe nach hinten, aber immerhin! Trotz zusaetzlichem metaphysischem Ballast (in Form eines Gottes) steht der Theismus hier also nicht (viel) schlechter da als der Atheismus. Also ist es am rationalsten, sich zu der Frage, ob es einen Gott gibt, ueberhaupt nicht festzulegen. Vielleicht ist es ein bisschen wahrscheinlicher, dass es keinen gibt, aber man kann sich irgendwie nicht so richtig dazu aeussern.

Was sagt ihr?

Donnerstag, Mai 04, 2006

Skeptizismus und Kontextualismus

Fangen wir mit folgendem Satz an, den ich weiss: "Ich habe Haende."
Der Skeptiker sagt, dass ich nicht weiss, dass ich Haende habe. Grund: Die Moeglichkeit besteht, dass ich ein Gehirn im Tank bin und keine Haende habe. Computer schicken meinem Gehirn elektrische Impulse, die mir eine Aussenwelt vorgaukeln, u.a. auch, dass ich Haende habe. Da ich diese Moeglichkeit mit meinen Evidenzen nicht ausschliessen kann (die sind ja in der Gehirn im Tank-Situation haargenauso wie in der Situation mit realer Aussenwelt), kann ich nicht sicher wissen, dass ich Haende habe.

Erwiderung des Kontextualisten: Wenn mich der Skeptiker auf das Gehirn im Tank-Szenario aufmerksam macht, weiss ich tatsaechlich nicht, dass ich Haende habe. Ebenso in allen anderen Situationen, in denen jemand Zweifel an unserem Wissen ueber die Aussenwelt vorbringt. Wenn mir aber gerade niemand skeptische Szenarien ins Gedaechtnis ruft, weiss ich sehr wohl, dass ich Haende habe. Der Grund dafuer ist, dass mit dem Kontext die Standards wechseln in Bezug darauf, welche Moeglichkeiten ich ausschliessen koennen muss. Wenn in einem Kontext Irrtumsmoeglichkeiten vorgebracht werden, muss ich diese ausschliessen koennen; wenn in einem anderen Kontext diese Irrtumsmoeglichkeiten nicht vorgebracht werden, muss ich sie auch nicht ausschliessen koennen, um ueber Wissen zu verfuegen.

Mein Einwand (ich vermute ein Standardeinwand) gegen den Kontextualismus: Ich weiss, dass ich Haende habe, selbst wenn ich gerade im Philosophie-Seminar ueber den Skeptizismus diskutiere. Selbst wenn mir gerade jemand sehr eindringlich erzaehlt, dass alles mir genauso erscheinen koennte wie gerade jetzt, und ich trotzdem ein Gehirn im Tank sein koennte, aendert das nichts daran, dass ich weiss, dass ich Haende habe. Der Kontextualist hat hoechstens insofern Recht, als ich vielleicht meine Ueberzeugung verliere, dass ich Haende habe, wenn mir jemand das ganze gut genug suggeriert. Dann weiss ich natuerlich auch nicht mehr, dass ich welche habe (aber mein Wissen scheitert an der fehlenden Ueberzeugung, nicht an der fehlenden Rechtfertigung). Solange ich aber fest auf meiner Meinung beharre, finde ich es abwegig, dass diese Meinung auf einmal nicht mehr gerechtfertigt sein soll, obwohl sie es 5 Minuten vorher noch war.

Montag, Mai 01, 2006

"Der Geist der Tiere"

Ich mache dieses Semester bei einem Seminar ueber den Geist der Tiere mit. Von daher koennt ihr in naechster Zeit mehr ueber Tiere und deren mentale Eigenschaften oder Faehigkeiten erwarten. (Wir halten uns bei dem Seminar an das Buch 'Der Geist der Tiere', das letztes Jahr von Perler und Wild herausgegeben wurde.)

Eine der grossen Fragen ist dabei natuerlich die, ob Tiere denken koennen. Kann z.B. der Hund, der eine Katze verfolgt, nicht sieht, dass sie auf die Kastanie geklettert ist und statt dessen die benachbarte Buche anbellt, glauben, dass die Katze auf der Buche ist? Bekannter Gegner der These, dass Tiere denken koennen, ist Davidson. Er behauptet erstens, dass wir Tieren schon alleine deshalb keine Gedanken zuschreiben koennen, weil wir den Inhalt ihrer Gedanken prinzipiell nicht spezifizieren koennen. Das koennen wir nicht, weil Tiere ueber keine Sprache verfuegen. Zweitens koennen wir Tieren keine Gedanken zuschreiben, weil man wenn immer nur ein ganzes Netz von Ueberzeugungen etc. zuschreiben kann, und dazu dann wieder Ueberzeugungen gehoeren muessten, die Tiere ganz bestimmt nicht haben. (Das war jetzt alles aus dem Kopf, ich hoffe ich habe Davidson nicht zu sehr verfaelscht.)

Ich denke, es ist offensichtlich, dass Tiere keine Gedanken haben, die sprachlich ausformuliert sind. Z.B. denkt der Hund sicherlich nicht: "Ich bin mir ganz sicher, die Katze ist auf der Buche!" Aber es koennte doch sein, dass Gedanken nicht notwendigerweise sprachlich ausformuliert sein muessen, um einen Gehalt zu haben und deshalb als Gedanken zaehlen zu koennen. Mir erscheint es also am plausibelsten, dass eine Art von mentalen Repraesentationen gibt, die auch (hoehere) Tiere haben koennen, und die aus funktionaler Perspektive eine aehnliche Rolle spielen wie unsere sprachlich strukturierten Gedanken. Der Hund haette dann eine mentale Repraesentation, die dadurch verursacht wird, dass er die Katze hat in Richtung Buche laufen sehen (er hat nur nicht gesehen, dass sie dann doch auf die Kastanie gesprungen ist.) Diese Repraesentation fuehrt dazu, dass er die Buche anbellt. Wenn der Hund die Katze dann ploetzlich doch auf der Kastanie sehen wuerde, dann wuerde in ihm eine andere Repraesentation 'getriggert', und er wuerde z.B. die Kastanie anbellen.

Irgendwelche Einwaende?

Mittwoch, April 26, 2006

Die boese Emanzipation

Laut meiner Internet-Informationsquelle, der SZ, hat Eva Herman von der Tagesschau fuer die Zeitschrift Cicero einen Beitrag ueber die schaedlichen Folgen der Emanzipation (fuer Frauen, Maenner, Kinder und die Gesellschaft an sich) geleistet. Ich finde das ganze irgendwo zwischen lustig, dumm und provokant, und moechte euch diesen Artikel deshalb nicht vorenthalten.

http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/530/74456/

Kurz zusammengefasst ist die Emanzipation Schuld am Aussterben der Deutschen. Sie fuehrt dazu, dass die Frauen ihre Mutterrolle leider nicht mehr richtig ausfuellen koennen, dass die Haelfte aller Kinder Defizite aufweist, und - oh Schreck - die Frauen werden dadurch vermaennlicht und die Maenner verweiblicht! Ausserdem sind die Karrierefrauen nach dreissig Jahren Emanzipation (auch moralisch) am Ende ihrer Kraefte, und sehnen sich nach starken maennlichen Schultern zum Anlehnen.

Und ganz besonders schlimm: „Seit einigen Jahrzehnten verstoßen wir Frauen zunehmend gegen jene Gesetze, die das Überleben unserer menschlichen Spezies einst gesichert haben.“ (Ich wittere biologischen Determinismus!) Also sollten wir Frauen wieder zurueck zu Kueche, Kindern, Kirche, weil da immer alles so gluecklich und harmonisch ist: „Wer einmal den Wert häuslichen Friedens in Harmonie und Wärme kennen lernen durfte, einen Ort, der Sicherheit, Glück und Seelenfrieden gibt, weiß, wovon die Rede ist.“

Und der liebe Gott hat ja auch alles so bestimmt, dass die Frauen zu Hause bleiben: „Es ist die Frau, die in der Wahrnehmung ihres Schöpfungsauftrags die Familie zusammenhalten kann.“
Gnaedigerweise erlaubt Frau Herman, dass Frauen doch noch lesen und rechnen lernen duerfen - denn "Es ist selbstverständlich, dass Frauen etwas lernen, dass sie sich weiterbilden und Aufgaben auch außerhalb der Familie übernehmen, wenn sie das Talent dafür haben. Doch all das sollte in Maßen geschehen.“

Jetzt hoffe ich nur noch, dass Frau Herman ihrem eigenen Rat folgt, sich voellig ihrem Sohn sowie ihrem dritten Ehemann widmet, und uns in Zukunft ihr Dummgebraddel erspart!

Mittwoch, April 19, 2006

Wissen = wahre gerechtfertigte Überzeugung?

Um mal wieder einen rein philosophischen Post zu starten...

Das Gettier-Problem ist ja wohl allgmein bekannt: Gettier zeigt, dass in manchen Fällen, in denen wir intuitiv einer Person kein Wissen zugestehen würden, laut der Definition von Wissen (=wahre gerechtfertigte Überzeugung) trotzdem Wissen vorliegen müsste. Womit gezeigt sein soll, dass die Definition nicht stimmt bzw. nicht hinreichend ist.

Ein Beispiel: Otto hat gute Gründe dafür zu glauben, dass sein Freund Hans einen Ford besitzt. Er hat überhaupt keine Gründe zu glauben, dass seine Freundin Elke in Barcelona ist. Aus Spaß formuliert er die Überzeugung: "Hans besitzt eine Ford oder Elke ist in Barcelona." Leider besitzt Hans keinen Ford, sondern fährt nur mit einem geliehenen Ford durch die Gegend. Dafür ist Elke zufällig in Barcelona. Die Überzeugung ist also gerechtfertigt und wahr, aber trotzdem weiß Otto nicht, dass Hans einen Ford besitzt oder Elke in Barcelona ist.

Das ganze Gettier-Problem beruht auf der Annahme, dass unsere Begriffe eine Definitions-Struktur haben. Es lässt sich definieren, worin Wissen besteht, und wer über den Begriff Wissen verfügt, verfügt irgendwie (intuitiv?) auch über die entsprechende Definition. Leider ist dieses Verständnis der Struktur von Begriffen völlig überholt. Beliebter sind zur Zeit die Prototypen-Theorie und die Theorien-Theorie.

Prototypen-Theorie: Ein Begriff besteht nicht in einer hinreichenden und notwendigen Menge von Bedingungen wie eine Definition; statt dessen müssen nur einige Bedingungen erfüllt sein, damit ein Begriff gegeben ist. (Z.B. fällt Banane unter den Begriff Frucht, obwohl vielleicht zu den Bedingungen für Frucht auch dazu gehört, dass eine Frucht rund ist.)
Theorien-Theorie: Begriffe sind wie Theorien - sie erklären sich durch ihre Rolle im Zusammenhang mit anderen verwandten Begriffen. (Z.B. spielt Apfel eine bestimmte Rolle im Zusammenhang mit Frucht, Birne oder Golden Delicious; darin besteht dann der Begriff.)

Gerade angesichts des Gettier-Problem finde ich es naheliegend, dass Begriffe nicht in Definitionen bestehen. Dann kann philosophische Begriffsanalyse aber auch nicht darin bestehen, Definitionen (mit dem Anspruch von notwendig und hinreichend) auszubuchstabieren.

Die Preisfrage: Was tritt dann an die Stelle der traditionellen Begriffsanalyse? Was kann man dann als Philosoph sagen, wenn man klären will, was wir eigentlich unter Wissen verstehen?

Für einen Artikel zu Begriffen: http://plato.stanford.edu/entries/concepts/

Freitag, April 14, 2006

Macht doch euren eigenen Blog auf!

Mir reicht es gerade! Obwohl ich schon gestern darum gebeten habe, einen zivilen Diskussionston beizubehalten und bitte ausserdem Argumente vorzubringen, gab es schon wieder einen Kommentar, der weder noch geboten hat. (Gut, es gab vielleicht Ansaetze von Argumenten, aber es sah doch eher nach blossen Anschuldigungen aus.) Gemeint ist der Kommentar von Steffen.

Deshalb: Wenn jemand in Zukunft solche Kommentare auf meinem Blog hinterlaesst, werde ich sie einfach gnadenlos loeschen. Wenn ihr euren Frust an irgendwelchen Philosophischen Schulen und Richtungen ablassen wollt, macht doch einfach euren eigenen Blog auf!!!

Das heisst natuerlich nicht, dass boese Kommentare zu irgendwelchen Posts nicht willkommen sind, aber ich verlasse mich auf euren guten Geschmack und darauf, dass ihr selber erkennt, was zu weit geht, und worin Argumente bestehen, die Attacken auf anderleuts Positionen untermauern koennten.

Schoene Gruesse,

Eva

Mittwoch, April 12, 2006

Ein vorbildlicher (typisch analytischer?) Diskussionsstil

Ich wollte mich in meinem vorletzten Post ja eigentlich nur ein bisschen ueber Peacocke aufregen, der voellig unverstaendlich und langweilig schreibt. (Wie gesagt, mit Ausnahme von Kapitel 3.) Aber statt dessen wurde eine kleine Schlammschlacht zwischen Verfechtern von analytischer und kontinentaler Philosophie daraus. Keine Ahnung, was der professionelle Blogger an dieser Stelle macht, vielleicht zensieren. Ich fand es jedenfalls bloed. Vor allem hat immer noch keiner meine ernstgemeinte Frage beantwortet, was denn die anderen Standards sind, die bei Kontinentalphilosophie im Gegensatz zur analytischen Philosophie angewandt werden. Als zweites interessiert mich natuerlich, was die Themen der Kontinentalphilosophie sind, so dass die Naturwissenschaften nichts dazu zu sagen haben, und so dass sie nicht in der Gefahr ist, wegrationalisiert zu werden. Wenn ihr euch so ueber die analytische Philosophie erregen koennt, hoffe ich, dass ihr mir auch diese Fragen beantworten koennt!!!

Ich moechte ausserdem festhalten, dass das in keinem Falle ein analytischer Diskussionsstil war. Bei analytischen Diskussionen sollte man Argumente fuer seine Thesen vorbringen, was hier auf keiner Seite geschehen ist. Z.B. hat JST zwar behauptet, dass alle Kontinentalphilosophen dummschwaetzen, aber ausser seiner eigenen, zumindest fuer uns im Blog nicht belegten Erfahrung und Intelligenz (die auch prompt angegriffen wurden) keine Argumente fuer diese These gebracht. Mner hat im Gegenzug die nicht belegte Behauptung aufgestellt, dass die analytische Philosophie auf dem Stand von vor mehreren hundert Jahren ist, und noch dazu eine Hilfswissenschaft. (Ich stimme zu, dass die analytische Philosophie in vielen Bereichen durch die Naturwissenschaften 'bedroht' ist, frage mich aber weiterhin, warum die Kontinentalphilosophie nicht in dieser Lage ist. Ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich ein Zeichen mangelnder Qualitaet der analytischen Philosophie ist.)

Ich wollte euch deshalb alle miteinander im Sinne meines Blogs bitten, dass ihr eure Thesen in Zukunft mit Argumenten belegt. Ich gebe zu, dass ich auch nicht immer wasserdicht argumentiere, aber bei einigen der letzten Kommentare musste man doch den Eindruck gewinnen, dass ihr es noch nicht einmal versucht habt! Ausserdem waere ich euch allen sehr dankbar, wenn ihr wahllose Beleidigungen nicht auf meinem Blog austauscht, da es mir tatsaechlich darum geht, interessante Diskussionen zu fuehren, und zwar unabhaengig, ob sich jemand eher dem Camp der Analytiker oder dem Lager der Kontinentalen zugehoerig fuehlt.
Vielen Dank im Voraus,
Eva

Dienstag, April 11, 2006

Gehalt als funktionale Rolle

Ich mache mir immer noch meine Gedanken darüber, was Gehalt von Wahrnehmungen sein könnte. Ich habe jetzt eine These: Der Gehalt einer Wahrnehmung ist nichts anderes als die (oder superveniert über der?) funktionale(n) Rolle der Wahrnehmung. Unter funktionaler Rolle verstehe ich hier nicht nur, wodurch die Wahrnehmung gerade verursacht wird, welche anderen mentalen Zustände sie verursacht, und zu welchem Verhalten sie führt. Ich möchte darunter auch fassen, womit diese Wahrnehmung in der evolutionären Vorgeschichte eines Wesens kausal kovariiert hat, und was deshalb der evolutionäre Zweck einer solchen Wahrnehmung ist.

Wenn ich also eine rote Tomate sehe, dann ist der Gehalt meiner Wahrnehmung, dass etwas rotes, kleines und rundes vor mir ist. Dieser Gehalt besteht aber eigentlich nur in (bzw. superveniert über) der kausalen Rolle, die meine Wahrnehmung unter evolutionären Vorbedingungen spielt.

Was sagt ihr?

Sonntag, April 09, 2006

Wettbewerb: Wer schreibt am schlechtesten?

Als ich McDowell gelesen habe, dachte ich, dass er ziemlich schlecht schreibt. Jetzt lese ich Peacocke (A study of concepts) und muss feststellen, dass Peacocke noch Klassen schlechter schreibt als McDowell.

Deshalb habe ich mir Gedanken gemacht, wer die am schlechtesten (d.h., am unklarsten) schreibenden Autoren sind, die ich in Philosophie bisher so gelesen habe. Hier sind meine Top 5:

1. Peacocke (schreibt extrem umstaendlich und kompliziert, noch dazu langweilig)
2. McDowell (blumig und vage - Argumente schwer zu finden)
3. Davidson (sehr vage, noch dazu kompliziert)
4. Kant (die laengsten Saetze die ich je gelesen habe, ausser vielleicht in 'Michael Kohlhaas' von Kleist)
5. Tarski (viel zu mathematisch und langwierig!)

Sonst noch jemand Vorschlaege?

Eva

Montag, April 03, 2006

Abtreibung die Zweite

Und dann hatte ich noch eine andere Diskussion ueber Abtreibung. Man stelle sich folgende Situation vor: Ein Mann und eine Frau haben Sex. Sie wird schwanger (z.B. weil das Kondom reisst). Er sagt von Anfang an, dass er nicht Vater werden will. Sie will weder abtreiben noch das Kind zur Adoption freigeben, und behaelt es folglich.
Frage: Ist der Mann dann moralisch verpflichtet, fuer das Kind (zumindest finanziell) zu sorgen, obwohl er erstens von Anfang an klar gemacht hat, dass er kein Kind haben will, und obwohl es zweitens nicht seine Entscheidung war, das Kind nicht abtreiben zu lassen?

Abtreibung die Erste

Letzte Woche habe ich mit ein paar Freunden, darunter ein Mediziner, ueber das pro und contra der Abtreibung diskutiert. Die juristische Lage (d.h. die Legalitaet der Abtreibung) in Deutschland ist wohl etwas wirr, da das ganze bis zum dritten Monat straffrei ist, aber nicht eigentlich legal. In Anbetracht dessen ist die Frage nach dem moralischen Status der Abtreibung weiterhin spannend.
In unserer Diskussion hatten wir zwei verschiedene Fragen:
1. Der Mediziner: Ab wann faengt Leben ueberhaupt an?
2. Ich: Was ist das moralisch relevante Kriterium, aufgrund dessen ein Embryo bzw. Foetus nicht (mehr) abgetrieben werden darf?
Was meint ihr dazu?

Donnerstag, März 30, 2006

2nd Nature und Bildung (McDowell)

Ich lese gerade McDowell "Mind and World", und habe dazu eine kritische (vielleicht aber auch nur eine Verständnis-)Frage. Und dann gleich noch eine Frage vorneweg...
Ein Grundproblem, mit dem sich McD auseindandersetzt, ist wie sich der "logical space of reasons" und der "logical space of nature" zueinander in Beziehung setzen lassen. Letztlich geht es darum, ob sich unsere normative Redeweise (nämlich über Rationalität, Wissen und Gehalt - Überzeugungen können wahr oder falsch sein, also gibt es Normen, die eine Überzeugung erfüllen muss, um wahr zu sein) auf unsere deskriptive Redeweise, mit der wir die Natur in den Naturwissenschaften beschreiben, zurückführen lässt. (Sorry für das Monster von Satz, zuviel McD gelesen.)
Also erstmal meine Frage vorneweg: Geht es McDowell hier wirklich nur um verschiedene Weisen, die Welt zu beschreiben/zu erfassen, oder hat er tiefere metaphysische Ansprüche?

McDowell versucht, beide logical spaces unter einen Hut zu bringen, indem er behauptet, dass sowohl der space of nature als auch der space of reasons Teil der Natur sind. Was er "realm of law" nennt, nämlich das, was unter die Naturgesetze fällt und von den Naturwissenschaften beschrieben wird, macht nicht allein die Natur aus. (Anti-Physikalismus!) Dazu kommt noch das, was McD als "2nd nature" bzw. "Bildung" bezeichnet - nämlich einen Teil unserer menschlichen Natur, der erst durch Erziehung herausgebildet wird. Hier eine Textpassage: "Our Bildung actualizes some of the potentialities we are born with; we do not have to suppose it introduces a non-animal ingredient into our constitution ... the space of reasons [+ begriffliche Fähigkeiten] ... can be the framework within which meaning comes into view only because our eyes can be opened to it by Bildung, which is an element in the normal coming to maturity of the kind of animal we are." (S.88, Ausgabe von 1996)
Meine Frage: Ist diese zweite Natur des Menschen dann nicht letztlich etwas, das auch durch die Natur a la Naturwissenschaften erklärt werden kann? Ich würde behaupten, dass unsere kulturelle Praxis, die zur Herausbildung begrifflicher Fähigkeiten führt, evolutionär erklärbar und damit auch auf die Naturwissenschaften zurückführbar ist. Wenn das stimmt, ist McDowell doch Teil des Lagers der "bald naturalists", gegen die er sich selbst wendet.
Hat jemand Erklärungen oder Einwände zu meiner Frage?
Eva